Wir sind unterwegs

Die letzten Stunden auf norwegischem Boden

Samstag den 14.09.: großes Abschiedsfest im „Skjærgården Fjordkro» in Skjeberg, direkt an unserer Marina mit unserer Amanda-Trabanthea in Sichtweite. Was für ein wunderbarer Abend. Es gab lecker Essen, reichlich zu trinken und sogar Livemusik dank Linn Charlottes Bruder. Alles in allem waren wir 40 Leute. Sogar Linn Charlottes erster Deutschlehrer kam vorbei, um uns zu verabschieden. Leider ging der Abend viel zu schnell vorbei und endete mit einem ganzen Haufen von Umarmungen, Glückwünschen und Tränen.

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Time to say goodbye

 Sonntag morgen erwachten wir mit Schmetterlingen im Bauch und die Stunden flogen nur so davon, während uns die ganze Zeit nur die Frage im Kopf herumschwirrte, ob wir auch wirklich nichts vergessen1021Paul haben. Nach einem letzten Check an Bord war es diesmal Paul, der von ein paar bekannten Gesichtern am Kai überrascht wurde. „Slusebrass“, Ørjes Musikkorps (in Deutschland irgendwo zwischen Bigband und Blaskapelle angesiedelt) stand bereit für ein Abschiedsständchen, nur leider leider ohne Schlagzeuger, da durfte Paul dann vor der Reise nochmal ran. Danach war es dann aber wirklich an der Zeit, Kurs auf unser Boot zu nehmen, das vollgepackt und klargemacht am Steg auf uns wartete. Es waren auch heute noch einmal einige Leute aufgetaucht um Tschüss zu sagen und der letzte Schritt rüber an Deck fiel uns nicht leicht. Bei aller Vorfreude stimmt es doch wehmütig zu wissen, dass man die meisten von denen in den nächsten Jahren nicht zu Gesicht bekommen wird.

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Es wurde um eins und halb zwei bevor wir alle verabschiedet hatten, die Festmacher los hatten und das große Abenteuer endlich starten konnte. Unser winkendes Abschiedskomitee verschwand langsam am Horizont während der Wind in den Segeln zunahm. Als wir so langsam aus unserer Bucht kreuzten wurde uns klar, dass die letzten drei vier Monate mit Vorbereitungen, Arbeit, ein wenig Stress und noch mehr Vorbereitungen nun hinter uns lagen. Ein Traum wird Realität.

Seilerne (2)

Flying start

Im Laufe des Nachmittags sank das Barometer, während wir so nach und nach von Schaumkämmen und dunklen Wolken umzingelt wurden. Klar hatten wir uns Wind gewünscht aber das hier wurde ein bisschen doll… Es wurde langsam dunkel und wir, die wir nach den gestrigen Festivitäten immer noch ein wenig angeschlagen waren, überlegten, ob wir uns nicht auf Koster noch ein paar Stunden Schlaf gönnen sollten. Aber wir sind schließlich auf Weltumsegelung, also: Augen zu und durch!

An Schlaf war dann auch wirklich nicht zu denken. Die nächsten zehn Stunden ging es darum, das Boot irgendwie auf Kurs zu halten und die Stunden zu zählen, bis es endlich hell wird und wir Schutz zwischen den Schären suchen können. Zwei Ereignisse bleiben dabei besonders im Gedächtnis:

1. Paul hatte das erste mal in seinem Leben eine Welle auf dem Schoß und das bei schlecht sitzendem Ölzeug. Daher fanden sich dann siebzig Prozent der Welle in seiner Unterwäsche wieder.

2. Ein Hoffnungsschimmer (endlich geht am Horizont der Mond auf, dann wird auch der Wind weniger!) wird je zerstört (ist gar nicht der Horizont, ist ein Wellenkamm…).

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Dunkle Wolken am Horizont… Die See war nachts wesentlich rauher als auf diesem Bild aus dem Kattegat, nur hatten wir in der Nacht ersteinmal andere Sorgen, als Photos zu machen.

Erster Halt: Schweden

Nach scheinbar endlosem warten wurde es dann doch endlich langsam hell am Horizont und wir setzten umgehend Kurs in Richtung Grebbestad um dort erst einmal wieder zu Atem zu kommen, und das Wasser, in dem unsere Schuhe und diverse andere Dinge schwammen, die wir eigentlich gut verstaut dachten, wieder aus dem Boot zu bekommen. Es wäre aber auch zu schön gewesen, wenn das einfach geklappt hätte. Eine Meile vor dem Ziel entdeckte Paul, dass sich das Boot in ein Dampfbad verwandelt hat. Der Kühler kocht, der Motor ist heiß. Naja, war vielleicht schon zu wenig Kühlflüssigkeit drin. Erst einmal Flaschenweise nachgießen und denn wird das schon klappen, wenn er wieder abgekühlt ist.

In Grebbestad fanden wir uns dann plötzlich, nachdem Linn Charlotte sich eigentlich nur einen Haarfön ausleihen wollte, im Haus zDSC_0786weier unglaublich freundlicher Schweden wieder, die uns umgehend mit Dusche, Wäschetrockner, Frühstück und Kaffee versorgten. Trocken, warm und gestärkt sollte es nun weitergehen, der Motor abgekühlt und mit genügend Wasser versorgt. Das reichte dann auch fast fünf Minuten. Kurzum: Der Motor brauchte fachmännische Hilfe. Ganz langsam ging es zurück in den Hafen. Diagnose: Zylinderkopfdichtung.

In der Rekordzeit von nur zweieinhalb Tagen (wir haben von Leuten gehört, die mit dem gleichen Schaden zwei Wochen festgesessen haben) war er dieses Mal wirklich wieder fit. Unsere neuen schwedischen Freunde versorgten uns unterdessen mit Ausrüstung, guten Ratschlägen und noch einem großen Mittagessen für alle, die am Motor geschraubt oder auf seine Fertigstellung gewartet haben.

Gerade losgefahren und schon drei Tage Verspätung, dafür aber dank Familie Olson und Magne, unserem Mechaniker (der unseren Motor übrigens in den Pausen und nach Feierabend in Ordnung brachte), ein schöner Aufenthalt in Grebbestad.

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Britt und Sven hatten eine offene Tür für uns.

Endlich unterwegs

Der Abwechslung wegen und nicht zuletzt, weil wir aus den Fehlern unserer letzten Deutschlandtour gelernt haben, setzten wir unseren Weg nun durch den schwedischen Schärengarten fort. Der gab uns Schutz vor den nervigen Wellen und dem ach so bekannten Südwestwind, der uns anscheinend unbedingt wieder in Richtung Norwegen schieben wollte.

Mit einsetzender Dämmerung hat der sich dann allerdings gelegt, woraufhin wir uns entschieden, lieber wieder auf die offene See rauszufahren. Schären im Dunkeln sind einfach gruselig. Und da wir nun eh schonmal draußen waren und diesesmal zwar nicht der Wind, dafür aber die Strömung gegen uns arbeitete, setzten wir Kurs in Richtung Skagen.

Nun wurde es an Bord endlich langweilig und ereignislos. Sowohl das Wetter als auch unser Volvo hatten sich endlich beruhigt und wir waren uns einig, dass wir das nach dem Start auch ganz genau so verdient hatten. Zwar wäre ein bisschen Nordwind schön gewesen, aber kein Wind ist manchmal besser als Südwind. Irgendwann drehte der Wind dann aber doch wenigstens so weit, dass man gut mal das DSC_0824Vorsegel dazu nehmen konnte. Aber leichter gesagt als getan. Es wurde uns bewusst, dass der Sturm doch ein bisschen mehr an unserer armen Amanda gezehrt hat, als uns zunächst bewusst war. Eine abgesoffene Positionslaterne vorn am Boot musste schon nachts repariert werden, um nicht von Fischereifahrzeugen gerammt zu werden und nun war ein Führungsarm an der Trommel von der Rollfock abgebrochen. Segeln ging zwar aber zum Einrollen musste nun immer einer von uns nach vorne. Da war auf See auch nichts zu machen, das musste mit auf die Aufgabenliste für Deutschland, wo ohnehin noch ein Haufen Arbeit auf uns wartete, bevor wir endlich auch von dort abreisen konnten.

DSC_5024                         Ankunft!!!

Am Samstag den 21.9. hatten wir es dann endlich geschafft. Mit hellwerden liefen wir in Wismar ein und am Kai entdeckten wir zu unserer großen Überraschung unsere Eltern, die uns winkend am Kai in Empfang nahmen. Nun ging es erstmal ab nach Bobitz, wo der Abschluss unserer ersten Etappe mit einem großen gemütlichen Frühstück gefeiert wurde. 

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